Webentwicklung
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WordPress stirbt einen langsamen Tod

43% des Webs laufen auf WordPress – und genau das ist das Problem. Warum das CMS der 2000er in einer Welt von Headless, Edge und KI-generierten Seiten keinen Platz mehr hat.

Die Zahlen lügen

Ja, WordPress betreibt immer noch rund 43% aller Websites weltweit. Diese Zahl wird gerne als Beweis dafür verwendet, dass WordPress quicklebendig ist. Aber wenn man genauer hinschaut, erzählen die Zahlen eine andere Geschichte.

Der Marktanteil stagniert seit 2023. Die Wachstumsrate ist von 4% pro Jahr auf unter 1% gefallen. Gleichzeitig wächst der Anteil von modernen Frameworks – Next.js, Astro, Remix – mit zweistelligen Raten. WordPress gewinnt keine neuen Projekte mehr. Es verliert nur langsam die bestehenden.

Die technische Schuld eines Ökosystems

WordPress wurde 2003 als Blogging-Plattform gestartet. Seitdem wurde es zu einem CMS, einem E-Commerce-System, einem Page-Builder und einer App-Plattform erweitert – ohne jemals die grundlegende Architektur zu überdenken.

Das Ergebnis ist ein System, das auf PHP 5 patterns basiert, eine MySQL-Datenbank für alles missbraucht, Plugins als primären Erweiterungsmechanismus nutzt und dessen Frontend-Rendering aus serverseitig zusammengesetzten HTML-Strings besteht.

Jedes WordPress-Projekt beginnt mit den gleichen Problemen: Performance-Optimierung durch Caching-Plugins, Security-Hardening gegen die chronischen Schwachstellen im Plugin-Ökosystem, und das endlose Jonglieren von Plugin-Kompatibilitäten nach Updates.

Das Plugin-Problem

WordPress hat über 60.000 Plugins. Das klingt nach einem Vorteil – bis man sich anschaut, wie das Plugin-Ökosystem tatsächlich funktioniert.

Die meisten Plugins werden von Einzelpersonen oder kleinen Teams gepflegt. Viele werden nach einigen Jahren aufgegeben. Es gibt keine standardisierte Qualitätskontrolle, keine garantierte Kompatibilität und keine einheitliche Security-Review.

Das führt zu einer paradoxen Situation: Je mehr Plugins ein WordPress-Projekt nutzt, desto fragiler wird es. Jedes Plugin-Update kann Seiteneffekte haben. Jedes verlassene Plugin wird zum Sicherheitsrisiko. Und jede WordPress-Seite mit mehr als zehn Plugins ist ein Wartungsalptraum.

Was moderne Alternativen besser machen

Die moderne Web-Architektur hat WordPress in jeder Dimension überholt.

Performance: Static Site Generation und Edge Rendering liefern Seiten in unter 100ms. Ein typisches WordPress-Setup braucht 800ms bis 2 Sekunden – mit Caching. Ohne Caching werden es schnell 3-5 Sekunden.

Sicherheit: Headless Architekturen haben keine öffentlich zugängliche Admin-Oberfläche, kein Plugin-System als Angriffsfläche und keine Datenbank, die direkt mit dem Frontend verbunden ist. Die Angriffsfläche reduziert sich um 90%.

Developer Experience: TypeScript, Komponenten-basierte Entwicklung, Hot Module Replacement, Type Safety – alles Dinge, die in modernen Frameworks Standard sind und in WordPress schlicht nicht existieren.

Skalierung: JAMstack-Seiten skalieren auf CDN-Ebene. Es gibt keinen Server, der unter Last zusammenbricht. Keine Datenbank-Engpässe. Keine PHP-Prozesse, die Speicher fressen.

Warum der Wechsel trotzdem so langsam geht

Wenn WordPress so überholt ist, warum nutzen es immer noch Millionen? Die Antwort liegt nicht in der Technologie, sondern in der Ökonomie.

Switching Costs: Eine bestehende WordPress-Seite zu migrieren kostet Geld und Zeit. Für viele kleine Unternehmen ist der Leidensdruck noch nicht groß genug.

Verfügbarkeit von Entwicklern: Es gibt mehr WordPress-Entwickler als Next.js-Entwickler. Für nicht-technische Unternehmen ist es einfacher, jemanden zu finden, der „etwas an der WordPress-Seite ändern" kann.

Content-Editor-Gewohnheiten: Redakteure kennen das WordPress-Backend. Ein Headless CMS mit einem anderen Interface bedeutet Umschulung.

Aber alle drei Faktoren verlieren an Kraft. KI-Tools senken die Migrationskosten. Moderne Frameworks werden zugänglicher. Und Content-Editoren gewöhnen sich an neue Interfaces, wenn die Vorteile klar sind.

Der Kipppunkt

Wir prognostizieren, dass der Kipppunkt in den nächsten zwei bis drei Jahren erreicht wird. Nicht weil WordPress plötzlich aufhört zu funktionieren, sondern weil die Opportunitätskosten zu hoch werden.

Wenn eine moderne Website dreimal schneller lädt, halb so viel Wartung braucht und besser in der Google-Suche rankt, wird es zunehmend schwer zu rechtfertigen, bei WordPress zu bleiben. Besonders für Unternehmen, die ihre Website als Vertriebskanal nutzen.

Was wir unseren Kunden empfehlen

Für Unternehmen mit bestehenden WordPress-Seiten empfehlen wir eine schrittweise Migration. Nicht alles auf einmal, sondern gezielt: Zuerst die öffentlich sichtbaren Seiten auf eine moderne Architektur migrieren. Dann den Content-Workflow umstellen. Und schließlich das WordPress-Backend abschalten.

Die Kosten für eine WordPress-Migration liegen typischerweise bei einem Bruchteil dessen, was Unternehmen in den nächsten drei Jahren für WordPress-Wartung, Plugin-Updates und Performance-Optimierung ausgeben würden.

WordPress stirbt nicht über Nacht. Aber es stirbt – und wer früh wechselt, hat einen Wettbewerbsvorteil.